Das CEM stellt sich vor

Das CEM im Profil

Eine nachhaltige Industriegesellschaft im 21. Jahrhundert braucht gleichermaßen wirtschaftliches Wachstum wie einen schonenden Umgang mit Ressourcen, um ihren Wohlstand zu erhalten und die Umwelt zu schützen. Wir wollen diesen Prozess begleiten.

Der Wandel unserer Industriegesellschaft ist damit gleichermaßen Herausforderung wie Chance. Neue Materialien und Werkstoffe, integriertes Produktdesign, Kreislaufwirtschaft (Circular Economy) und digitalisierte Prozesse (Industrie 4.0) werden zu Schlüsselfaktoren für eine innovative, effiziente und nachhaltige Güterbereitstellung und eröffnen damit Wettbewerbs- und Wachstumsperspektiven.

Das Center for Economics of Materials CEM ist eine neue Forschungseinheit des Fraunhofer-Instituts für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS in Halle und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Partner aus Industrie und Politik unterstützt das CEM mit der Kombination werkstoffwissenschaftlicher und techno-ökonomischer Expertise beispielsweise auf dem Gebiet der Technologie- und Regulierungsfolgenabschätzung, nachhaltiger Wertschöpfungssysteme (Total Design Management) oder globaler Wertschöpfungsketten (Global Value Chain Analysis). Die systemische Betrachtung von integrierter Wertschöpfung, Entwicklungsstrategien bei Werkstoffprozessen und die dabei relevanten ökonomischen Rahmenbedingungen werden hier fokussiert. Weitere Forschungsschwerpunkte liegen in Kritikalitätsanalysen von Roh- und insbesondere Werkstoffen, Möglichkeiten zu deren Substitution, der Transformationsfolgenforschung sowie in der Digitalisierung der Werkstoffe und Prozesse.

Think Tank für Strukturwandel

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Haseloff und Fraunhofer-Präsident Neugebauer besuchen Center for Economics of Materials CEM

26.9.2018

CEM Neugebauer Haseloff
© Michael Deutsch

PD Dr. Christian Growitsch, Fraunhofer-Leiter des CEM; Prof. Dr. Christian Tietje, Rektor der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg; Prof. Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft; Dr. Reiner Haseloff, Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt; Prof. Dr. Dieter Spath, Präsident von acatech; sowie Prof. Dr. Ralf B. Wehrspohn, Leiter des Fraunhofer IMWS (v.l.n.r.), trafen sich zu einem Think Tank am Center for Economics of Materials CEM.

Globalisierung, Digitalisierung, Dekarbonisierung: Die Rahmenbedingungen für die Industrie ändern sich kontinuierlich und in steigendem Tempo. Das Center for Economics of Materials CEM berät mit technologisch orientierten werkstoff-ökonomischen Analysen. Bei einem Besuch am CEM in Halle (Saale) informierten sich Dr. Reiner Haseloff, Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt, Prof. Dr. Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, Prof. Dr. Dieter Spath, Präsident von acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften, und Prof. Dr. Christian Tietje, Rektor der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, darüber, wie innovative und nachhaltige Werkstoffe und Technologien zu einem gelungenen Strukturwandel beitragen können.

Das Center for Economics of Materials CEM wurde im August 2017 als gemeinsame Einrichtung des Fraunhofer-Instituts für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) gegründet. Die Expertinnen und Experten aus Halle beraten Wirtschaft und Politik zu Fragen des effizienten Rohstoff- und Materialeinsatzes und innovativen nachhaltigen Wirtschaftens.

Ein aktueller Schwerpunkt der Forschungsarbeit ist die Kreislaufführung von Kohlenstoff als Grundlage einer nachhaltigen Industrie und der damit einhergehende Strukturwandel. Fossiler Kohlenstoff wird zur Produktion von Düngemitteln, Medikamenten, Kunststoffen und vielem mehr benötigt. Die natürlichen Vorkommen sind jedoch begrenzt, die Abhängigkeit von Drittländern ist groß. Mit Hilfe von neuen Technologien und Innovationen wollen Fraunhofer-Forscher und -Forscherinnen dazu beitragen, diese Abhängigkeit zu reduzieren und diesen industriellen Strukturwandel einleiten. Sein Gelingen soll durch innovative Technologien und ganzheitliche ökonomische Einbettung gewährleistet werden. »Wenn etablierte Industrien in einer Region umgebaut werden, passiert das nicht von heute auf morgen. Man sollte und kann solche Entwicklungen begleiten, die wirtschaftlichen und sozialen Folgen abmildern und neue Perspektiven schaffen. Der Schlüssel dazu sind Innovationen«, sagt PD Dr. Christian Growitsch, Leiter des CEM auf Seiten von Fraunhofer. »Wir unterstützen Industrie und Politik dabei, für solche Entwicklungen einen Transformationspfad zu entwickeln, der möglichst genau zum Bedarf der Unternehmen, der Entwicklung der Märkte und den spezifischen Rahmenbedingungen vor Ort passt.«  

Zu den Projekten des CEM gehört beispielsweise die Sicherung des Kohlenstoffbedarfs einer nachhaltigen chemischen Industrie oder die Entwicklung von ökonomischen Systemen für ein nachhaltiges Wertstoffkreislaufsystem. Am CEM werden zudem die Aktivitäten im Fraunhofer-Leistungszentrum Chemie- und Biosystemtechnik koordiniert, das den Weg für eine nachhaltige Chemieindustrie auf Basis erneuerbarer Ressourcen und digitalisierter Wertschöpfungssysteme bahnen möchte. Schwerpunkte seitens der MLU, für die Prof. Dr. Ulrich Blum das CEM leitet, sind beispielsweise kritische Rohstoffe und globale Wertschöpfungsketten.

»Unsere Forschung muss sich nicht nur technologisch eng am Bedarf der Industrie orientieren, sondern stets auch die ökonomischen Aspekte im Blick haben, die für die Unternehmen relevant sind«, erklärt Fraunhofer-Präsident Prof. Reimund Neugebauer. »Wir wollen die Basis für neue, ökonomisch und ökologisch nachhaltige Geschäftsmodelle legen und unserer gesellschaftlichen Verantwortung nachkommen. Auf diese Weise können wir weiterhin entscheidende Impulse bei der Transformation hin zu einer nachhaltigen Industriegesellschaft setzen.«

Dr. Reiner Haseloff, Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt, betonte den Bedarf der Politik an wissenschaftsorientierter Beratung. »Wie wirken sich disruptive Innovationen auf die Geschäftsmodelle der Branchen in unserem Land aus? Was passiert mit den Arbeitsplätzen in einer Region, wenn strategisch relevante Rohstoffe knapp werden oder aus klimapolitischen Gründen an Bedeutung verlieren? Wie lässt sich abschätzen, welche Maßnahmen der Strukturpolitik oder welche Investitionen in Infrastruktur Erfolg versprechen? Die Antworten darauf sind eine wichtige Grundlage, um durchdachte politische Entscheidungen zu treffen.« Gerade bei einem drängenden Thema wie Strukturwandel sei es hilfreich, auf wissenschaftliche Expertise zu setzen und nicht nur Forschung und Entwicklung zu stimulieren, sondern auch Rohstoff- und Gütermärkte sowie Wertschöpfungsketten und Geschäftsmodelle in den Blick zu nehmen. »Das CEM hat sich dabei für uns schnell als wertvoller Partner etabliert. Die Arbeit der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Halle ist ein echter Standortvorteil für das Land«, so Haseloff.

Prof. Dr. Christian Tietje, Rektor der MLU, betonte beim Besuch am CEM die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Universität und Fraunhofer. »Wenn wir unsere Kräfte bündeln, können wir exzellente wissenschaftliche Ergebnisse noch schneller und besser zur Geltung kommen lassen – auch zum Wohl der Menschen in der Region. Das CEM hat im ersten Jahr seiner operativen Tätigkeit bereits zahlreiche Beispiele dafür geliefert, wie diese Verbindung auf vorbildliche Weise funktioniert.«

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